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Brauchtum: Wie eine Odenwälder Hochzeit um 1890 ablief

Von der Spinnstube in die Kirche

Von unserer Mitarbeiterin Jutta Haas
beim Festumzug in Lindenfels
Den Abschluss des Festzugs bildet traditionell die Lindenfelser Jugendfeuerwehr, die die Zuschauer mit der alten Handspritze "erfrischt". Bild: Dietmar Funk

Lindenfels. Es gab Zeiten, da hatten die Eltern - besonders der Vater - ein gewichtiges Wort mitzureden, wenn junge Menschen den Bund der Ehe schließen wollten. Damals, Ende des vorvorigen Jahrhunderts, gab es weder motorbetriebene Fahrzeuge noch die Hektik heutiger Zeit. An Sonntagen wie auch an besonderen Festtagen wurde die beste Kleidung - im Odenwald die Tracht - getragen.

Viele Gebrauchsgegenstände jener Zeit befinden sich im Museum der Stadt Lindenfels. Zum Umzug anlässlich des Burgfestes werden sie herausgeputzt und stolz gezeigt. Alle Wagen werden in Lindenfels von Pferden gezogen, motorbetriebene Fahrzeuge sind tabu. Damit ist der Burgfestumzug mit seinen vielen Pferden und Hunderten von Trachtenträgern etwas Besonderes. Er lockte auch gestern wieder viele Gäste aus nah und fern an.

Vorreiter mit dem Stadtwappen

Das Hochzeitspaar, um das sich alles drehte, waren diesmal Natascha und Stefan Trautmann, die vor wenigen Wochen geheiratet haben. Umso schöner für das Paar, wenn es erleben darf, dass die Sitten früher ganz anders waren.

Angeführt wurde der Umzug von einer Reitergruppe, der Vorreiter Kurt Rettig trug das Stadtwappen. Die Fahnengruppe präsentierte die Fahnen mit den Stadt- und Landesfarben. Zum Schutz von Burg und Stadt diente die Stadtwache, der die Festkapelle folgte. Der Baum im Odenwald

Der Festzug erzählte die Geschichte vom Heiraten um 1890: In der Spinnstube gab es gute Möglichkeiten, sich an den langen Winterabenden näher kennenzulernen. "Beim Spinnen und Singen wurde so manches Band fürs Leben geknüpft", stellten die "Oalde" der Lindenfelser Trachtengruppe dar. Im Frühjahr suchten dann die jungen Paare ein lauschiges Plätzchen, die Bank unter einem Baum im Odenwald eignete sich hervorragend dazu. Der Sportverein Lindenfels stellte diese Zugnummer dar.

War unter den potenziellen Gemahlen dann alles klar, mussten die Eltern noch ihren Segen dazugeben. Beim "Handstreich" handelten die Väter vor dem Schultheißen der Stadt den Ehevertrag aus. Diesen Wagen gestaltete der Lindenfelser Männergesangverein Eintracht. Die Verlobung wurde gefeiert, die Original Odenwälder Trachtenkapelle aus Linnenbach kündigte die Hochzeit an.

Die Braut ganz in Schwarz

Nach Blumenbogen und Hochzeitskranz kam das Brautpaar Natascha und Stefan Trautmann. Getrennt betraten die Brautleute die Kirche, gemeinsam kamen sie wieder heraus, die Braut ganz in Schwarz gekleidet mit einem weißen Perlenhäubchen. Es folgten Eltern, die Paten und die nahe Verwandtschaft. Prall gefüllt mit Federn und Kinderkleidung war das Gothekissen, das von Freundinnen der Braut in einem Wäschekorb getragen wurde. Viele Hochzeitsgäste waren zum Mitfeiern eingeladen, alle natürlich in Tracht. Hochzeitsgäste waren extra mit der Postkutsche angereist, auch dieses historische Gefährt fuhr gestern wieder durch die Lindenfelser Straßen. Trachtenvereine aus Beerfelden, Weschnitz, Höchst im Odenwald, Reichenbach und Heppenheim stellten die Hochzeitsgäste dar.

Der Spielmannszug der Feuerwehr Winterkasten sorgte für flotte Marschmusik. Um den Kammerwagen, die Aussteuer, hatte sich die Feuerwehr Lindenfels gekümmert. Dazu gehörten ein großes Himmelbett mit dicken Federkissen und eine Wiege sowie Haushaltsgegenstände. Begleitet wurde der Umzug des Hausstandes der Ehefrau von der Trachtengruppe Lindenfels mit ihren vier Abteilungen: Das Akkordeon-Orchester spielte bekannte Weisen, die "Oalde" und die Tanz- und Musikgruppe waren ebenfalls zu sehen. Für Musik sorgte unter anderem die Lindenfelser Trachtenkapelle. Blumen- und Erntegrüße überbrachten die Landfrauen aus Gadernheim und der Frauenkreis Winterkasten.

Traditionelles Handwerk

Gefeiert wurde nach der Hochzeit zünftig in der Dorfschänke - der Geflügelzuchtverein Ornis aus Lindenfels war hier Gastgeber. Nachtwächter Norbert Höly sorgte dann für Ruhe zur reichten Zeit.

Im zweiten Teil des Umzuges wurde traditionelles Handwerk gezeigt. Der Förderverein Burg demonstrierte die Apfelwein-Herstellung. Der Schützenverein Lindenfels zeigte eine Schnitzbank. Zu den angesehenen Handwerkern gehörten früher die Nagelschmiede. Das schwelende Feuerchen auf dem Wagen wurde von den Mitgliedern des Motorsportclubs Lindenfels betreut. Hart war die Arbeit mit der Grubensäge der Zimmerleute. Zu sehen waren auch Flachsbereitung (Odenwaldklub) und Steinverarbeitung (Vereinigung Lindenfelser Gewerbetreibende). Zum Abschluss bliesen die Schlosswaldjäger (Odenwälder Jagdhornbläser) ins Horn, und die Lindenfelser Jugendfeuerwehr sorgte mit der historischen Feuerspritze für eine Erfrischung.


Letzte Änderung dieser Seite am 13.03.2015 von (unbekannt). Informationen unter birgit.jung@tvg-starkenburg.de